Ein riesen Kompliment an den Tus Gaarden Handball für seine tolle Vorstellung. Klar, dass diese neuformierte Mannschaft nicht in die 2. Kreisklasse gehört. 2-3 Spieler haben Landesligaerfahrung, und das Kollektiv überzeugte. Dennoch muss man bei aller Euphorie feststellen: gestern war nicht der GTV auf der Spielfläche der Coventry-Halle, die mit 14:8 Punkten eine tolle Kreisoberligarunde spielt. Kraftlos, anfangs emotions- und vielleicht sogar lustlos. Dies alles sind Attribute, die sich die Gettorfer Spieler gestern gefallen lassen mussten. Dennoch zog Trainer Jan Strunk ein positives Fazit: „Eine ordentliche Konditionseinheit, und Spieler mit Erfolgserlebnissen – neben allen Dingen die falsch gelaufen sind, ein positiver Abend.“

 

Die ersten 30 Minuten: über ein 3:3 erkämpfte sich der TuS die ersten Führung, die Gettorf noch beim 5:5 egalisieren konnte. Doch mit fortschreitender Spielzeit, und immer wieder großen Lücken im Deckungsverbund eroberten sich die Gastgeber viel Selbstbewusstsein und eine 12:10 Halbzeitführung. In Auszeiten und der Halbzeitpause mahnte Strunk immer wieder: „Ihr müsst anfangen wach zu werden, euch zu bewegen. Ihr seid im Donnerstagabend Trainingsmodus!“

Auch nach dem Wechsel gelang es den schwachen Gettorfern nicht den imaginären Schalter umzulegen. Kreisläufer und Zopfträger Heinrich Mizel harmonierte gut mit seinem Rückraum und den vielen, vielen Löchern in der GTV 6:0. Vier Treffer lag der GTV schon im Hintertreffen (16:12 und auch 24:20), ehe Finn Hahnewald Mitte des zweiten Durchgangs aufdrehte, und wirklich jede Chance nutzte. (8 Treffer insgesamt) Chris Dammann im GTV Tor und die Umstellung auf eine 3:2:1-Deckung sorgten zwar nicht für mehr Stabilität, aber immerhin einige Ballgewinne sorgte. Mit Sven Großmann und Dodo Henschel versuchten die Roten aber auch wirklich alles (es grenzt an Verzweiflung) um die Wende herbeizuführen. 
In der Schlussphase der regulären Spielzeit dann noch die beste Gettorfer Phase. Den Rückstand konnte man egalisieren, und beim 25:25 ausgleichen. Doch wieder konnte Fabian Petersen vom linken Rückraum unbedrängt einnetzen: 26:25 für Gaarden, noch 40 Sekunden auf der Uhr.
Gettorf wechselte den 7. Feldspieler ein, und tatsächlich konnte Brian Lübker durchbrechen und den 26:26 Ausgleich erzielen. Vielleicht lag es an der fehlenden Hallenuhr: der Gettorfer Torwart – also der mit Leibchen markierte Jonathan Wiskandt fand den Weg nicht zurück ins Tor. Vom Anwurfpunkt versuchte Gaarden den Siegtreffer zu erzielen: der Ball wurde gekonnt von Lasse Lenschau auf der Torlinie pariert. Da bedarf es keiner großen Proteste. Siebenmeter und Zeitstrafe (!) die Entscheidung der Unparteiischen, die sich mit Ihrer Leistung in diese denkwürdige Partie einbrachten.
Die Spielzeit war abgelaufen, und nun war es Chris Dammann der mit seiner tollen Parade seine Farben in die Verlängerung brachte.

Gettorf startete in Unterzahl und hatte bis zur 68. Minuten – also knapp vor dem Ende der ersten Verlängerung eine 31:29 Führung erkämpft: das musste doch langen! Weit gefehlt: binnen 30 Sekunden verspielte man zwei Bälle, und Gaarden glich aus: 33:33 nach 70 Minuten. Nicht aber ohne einer kleinen ostufertypischen Keilerei: Per-Ole Lübker und Gegner offenbarten Kenntnisse im modernen Wrestling, und wurden je mit einer Zeitstrafe bedacht. Diese beiden wurden kurz darauf aber annulliert, weil – festhalten – die Spielzeit bereits abgelaufen war. True story.

„Wollt ihr Siebenmeterwerfen oder eine zweite Verlängerung?“ Kein Witz! Diese Frage wurde gestellt. Die Gettorfer wollten nach kurzer Abstimmung ins Strafwurf-Training, wurden aber vom Regelgott verhindert, der gerade rechtzeitig einen Regelpfeil in die Coventry-Halle schickte. Die zweite Verlängerung mit zwei Mal fünf Minuten Spielzeit stand an. Und die toppte die 70 Minuten zuvor nochmals.

Gaarden hatte mehr zuzusetzen, und sollte sich abermals in Führung werfen können. Akzente setzte nun Brian Lübker, der immer wieder mit viel Leidenschaft in die gegnerische Deckung drang. 
Ein Wechselfehler vollendete die Gettorfer Unzulänglichkeit an diesem Abend: der 7. Gettorfer Feldspieler hatte seine Leibchen noch nicht ordnungsgemäß angezogen. Das moderate Publikum half den Unparteiischen bei der richtigen Regelauslegung: die Wohlder spielten von Minute 76:50 bis 78:50 in Unterzahl. Nach dem 35:33 sprach vieles für die Hausherren, doch Gettorf war noch nicht bezwungen. Zwei Siebenmetertreffer und der Ausgleich zum 35:35. Doch wieder war es dem TuS vorbehalten in Führung zu gehen: 36:35 und noch 15 Sekunden zu spielen. Es passt zu diesem völlig verrückten Spiel, dass Brian Lübker per Kempatrick-Tor zum 36:36 Ausgleich einnetzte, und einen schicken Gruß von der Hallendecke an Sprungwunder Reins schickte.

Endlich also Siebenmeterwerfen. Die fünf Gettorfer Schützen waren benannt. Finn Hahnewald scheiterte gleich beim ersten Wurf an Rainer Semmler im TuS-Tor. Doch Chris Dammann entschärfte Ball Nummer 2. Alle anderen Schützen waren erfolgreich, und so stand es 40:40. Fünf weitere Schützen – es waren auch dieselben erlaubt – wurden benannt, und es ging in das finale Shootout.
Alle Werfer trafen, wenn auch die Torhüter immer wieder ein Körperteil an den Ball bekamen, jedoch ohne entscheidend zu parieren. So war es der Wechsel auf Florian Kunze ins GTV Tor, der beim neunten Versuch der Gaardener die Entscheidung Teil A brachte. „Flunze“ riss die alten Arme hoch, und lenkte den Ball an die Hallendecke. Teil B übernahm Sven Schneider. Gemäß seinem Gemüt zimmerte Schneider den Ball in die Maschen, und endlich war dieser Krimi entschieden. 44:43 für den GTV - ab ins Viertelfinale.

Wie eingangs erwähnt: mit Ruhm hat sich der Kreisoberligist nicht bekleckert. Verdient hätte es Gaarden allemal.

Der Bericht ist noch um so viele Geschichten gekürzt, und wenn die Beteiligten in 20 Jahren mit Ihren Kindern und funkelnden Augen unter dem Weihnachtsbaum sitzen….ach egal – episch war’s.

Die Torschützen/Aufstellung: Dammann, Kunze, Großmann 1, Henschel 1, Carstensen 5, Lübker Brian 4, Schneider 2, Lenschau 4, Lübker Per-Ole 1, Wiskandt 2, Augspach 8, Hahnewald 8.