Zugegeben: die Überschrift ist etwas provokant. Doch bedenkt man, dass der dezimierte GTV noch in der 55. Minute mit 20:16 führte, tut das finale 21:21 sehr weh.

Das Kreisoberliga-Spiel bot viele Randnotizen und Geschichten, selten jedoch guten Handball. Da waren sich alle Beteiligten am Ende einig: was für ein schlechtes Spiel. Der Unterschied zum König Fußball allerdings ist, dass ein Handballspiel immer noch eine gehörige Portion Spannung und Dramatik bieten kann.

THW Kiel - Handball 4. Männermannschaft Coach Ulrich Kraft musste auf seine beiden besten oder zumindest torgefährlichsten Spieler verzichten: Farr und Jureczek tauchten tatsächlich nicht auf dem Spielberichtsbogen auf. GTV Coach Jan Strunk rief insgeheim wohl „Sticht“ – denn da konnte er mithalten: mit Gerrit Herforth, Jonathan Wiskandt und Finn Hahnewald fehlten allein drei Spieler, die für einige GTV Treffer gut sind. So konnte zumindest die Serie gehalten werden, in jedem Spiel weniger Spieler aufzubieten, als der Gegner.

 

Angepfiffen wurde die Partie in der definitiv schlechtesten Halle Kiels: die armen Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums müssen sehr gute Antikörper gebildet haben…

Der Beginn in die Partie lief hervorragend für den GTV: die 6:0 arbeitete super, und der THW tat dem GTV den Gefallen und startete ein regelrechtes Fehlpassfestival. 4:0 führte der GTV. Wie Strunk später analysierte: „So lange wir uns keinen Kopf um das Ergebnis gemacht haben, war es ein super Spiel.“ Dummerweise realisierten die Dänischen Wohlder das Ergebnis nach kurzer Zeit, und fortan reihte man sich in das Fehlpass-Festival nahtlos ein: gleich 5, fünf (!!!!!eins!!!elf) Ballgewinne wurden in Folge sofort wieder weggeworfen, weil eben nicht der vorne frei auf den Ball wartende Spieler gefunden wurde, sondern das Spielgerät auf seine Beine oder gleich ins Aus befördert wurde. Kaum vorzustellen, was möglich gewesen wäre, hätte man das ‚Atomharz-Spielgerät‘ etwas bedachter verwendet. So kam der THW auf 3:4 heran, und fortan wurde das Spiel enger, aber keinesfalls besser.

Der THW biss sich an der guten GTV-Deckung mit einem sicheren Julius Jöhnk dahinter die Zähne aus, Gettorf suchte zu schnell die Entscheidung im Angriff, und ließ die nötige Ruhe vermissen. Kennt jeder Handballer, passt immer wieder: „Lasst uns länger spielen, wir müssen auf die Chance warten.“
Bis zum 7:8 Halbzeitstand, schafft der THW keinen Ausgleich, erwähnenswert dass Gettorf es schaffte die Kieler bis zur 23. Minuten bei nur drei Treffern zu halten.

Der Auftakt in den zweiten Durchgang sprach dann erst für den Tabellenzweiten. Die Tore fielen nun etwas leichter, nach dem 11:11 die beste Phase der 'Hausherren', auch wenn das im EBG keiner so gerne von sich behauptet. 13:12 – die einzige Führung für die Monochromen, die übrigens mit „Der Pferdedeckenwäscherei“ einen beachtlichen Trikotsponsor tragen. Getoppt wird dies nur vom GTV, die mit Malermeister Lübker & Sohn, eine der besten Fachfirmen für Maler- und Glasarbeiten (sowie Bodenbeläge) im Dänischen Wohld, stolz präsentiert.

Gettorf gelang der Ausgleich zum 13:13 und übernahm fortan wieder die Führung. Die Szene des Spieltags ereignete sich dann um die 45. Minute. Der jüngste THW-Akteur Simon Mackenthern berührte im Kampf um den Ball diesen als letztes, und der Ball hoppelte ins Aus. Während sich eigentlich alle Spieler einig waren, dass das Spiel mit Abwurf fortgesetzt wird, entschieden die nicht immer sicheren Unparteiischen auf Einwurf THW. Als auch der THW Rechtsaußen zugab, als „letzter dran“ gewesen zu sein, hätten alle mit einer Korrektur der Entscheidung gerechnet. Doch das Spiel wurde mit Einwurf Kiel fortgeführt. Bei Rückstand von 14:15 ist die Entscheidung vom Kieler Michael Ruthoff, den Ball den Gettorfern im hohen Bogen zurück zu werfen, nicht hoch genug einzuschätzen. Das hat der Autor in vielen Jahren Handball noch nicht erlebt. Chapeau für die überragende Geste.

Die Roten waren nun am Drücker, warfen eine Führung mit den bereits erwähnten vier Treffer heraus (16:20) – bei noch 5 Minuten Spielzeit eine Vorentscheidung? Mitnichten. Die Kieler setzten nun in persona Kai Bertow schnelle Nadelstiche, und die Gettorfer haderten eher mit der einen oder anderen brutalen Fehlentscheidung der Referees, als die eine Chance zu verwerten. Auch die letzte Führung vom besten Gettorfer Dennis Sebastian (9 Treffer) sollte nicht genügen, wieder glich der THW aus. Noch blieben 30 Sekunden, um den zweiten Punkt zu erwerfen, doch bis auf einen finalen Freiwurf, der geblockt wurde, gelang keine gefährliche Aktion mehr. 21:21 unentschieden. Der alte Witz: vor dem Spiel hätte man das unterschrieben, hinterher war der zweite Punkt verloren.

Trotzdem: mit 10:8 Punkten (übrigens immer noch mit negativer Tordifferenz) bleibt der Gettorfer TV hartnäckig im Mittelfeld der Liga. Gelingt im letzten Spiel des Jahres ein Sieg gegen den TSV Flintbek, kann man ein erfolgreiches Jahr mit einer überraschend punktreichen Hinrunde abschließen. O-Ton Trainer Strunk: „Zweistellig [Punkte] in der Hinrunde? Das gab es hier noch nie…“

Die Torschützen/Aufstellung: Jöhnk, Carstensen 1, Sebastian 9, Lübker Brian 2, Lenschau Lukas 1, Schneider 1, Lenschau Lasse, Stolze 4, Lübker Per-Ole, Augspach 3.