[09.03.2015 Steffen Augspach] Für die Erste Herren war es vielleicht DAS Highlight in den letzten Kreisoberligajahren. Mit dem völlig überraschenden 27:26 Auswärtssieg beim hochfavorisierten TSV Klausdorf setzte man ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf. (Auch wenn es durch den Kantersieg der konkurrierenden Mielkendorfer gegen Dänischenhagen ein wenig relativiert wurde…)  

Die Vorzeichen dieser denkwürdigen Partie war klar: zwar wollte man beim GTV den Schwung des 30:19 Donnerstagabend-Siegs gegen Mielkendorf/Molfsee mitnehmen, und „jeden Angriff, jede Deckungsphase mit 100%igen Willen spielen“ (O-Ton Jan Strunk), doch die körperlich und individuell viel besser besetzten Aufsteiger, waren klar favorisiert. Im Hinspiel konnte man lange mithalten, musste sich dann aber der individuellen Klasse eines Jan-Hendrik Otto oder Thomas Gaicki beugen. Auch personell konnte Strunk nicht mehr aus dem Vollen schöpfen: für den kurzfristig verhinderten Eckart Nohns reiste Zweite Herren-Legende Jan Stegemann mit, Arne Reins (Jagdschein-Prüfung) stand ebenfalls nicht zur Verfügung wie Sven Schneider.

Gerrit Herforth, dessen Einsatz bis kurz vor Anpfiff ungewiss war (das Spiel gegen Mi/Mo hatte doch Spuren hinterlassen), biss auf die Zähne, und eröffnete den Torreigen für die Wohlder. Bis zur 10. Minute gelang es dem GTV die Angriffsbemühungen der Turbine größtenteils unter Kontrolle zu halten, da man sich aber selbst erst auf die robuste 6:0-Deckung der Hausherren einstellen musste, konnte man sich nicht absetzen. Bis zum 5:5 wechselte die Führung, dann erzielte Timo Carstensen per Gegenstoß das 7:5 aus Gettorfer Sicht – Auszeit des TSV.

Und diese zeigte Wirkung: nach dem 7:8 gelangen Klausdorf 5 Treffer in Folge – vor allem der quirlige Mittelmann Bennet Warnholz war kaum aufzuhalten, und glitt durch die Gettorfer Deckung wie das heiße Messer durch die Butter. Zudem versuchte es der GTV vermehrt mit Distanzwürfen, Dominic Henschel musste noch an seiner Feinjustierung feilen. Gerrit Herforth versuchte viel, Steffen Augspach war zu langsam.

Und so entglitt den Gettorfern diese Partie bereits in der Schlussphase des ersten Durchgangs, und alles nahm seinen erwarteten Verlauf. Halbzeit: 16:10.  

Trainer Strunk appellierte nun an seine Mannen wieder Ordnung in das Aufbauspiel zu bringen, und vor allem den angesprochen Willen auch einmal in körperliche Präsenz umzuwandeln. Zudem stellte er die Deckung um: Per-Ole Lübker sollte die nun defensive Reihe stabilisieren. Diese Änderungen zeigten erste Wirkung: der bislang solide Jonas Goos fischte gleich einmal zwei Bälle aus dem Eck, und im Angriff hatte der GTV Rückraum drei Mal die richtige Entscheidung getroffen: 16:13. Auch kurze Zeit später, nach dem 19:15 (42.), deutete noch nichts auf eine irre Wendung, geschweige denn einen Handballkrimi hin. In jedem Fall ackerten die Gettorfer nun im Deckungsverband, und nachdem zwei weitere Angriffe etwas ideenlos verpufften, griff GTV-Trainer Strunk in die Trickkiste, und stellte seinen Angriff um. Diese Maßnahme brachte Dominic Henschel gleich drei Mal in Wurfposition, und drei Mal fand der Weg über den Innenpfosten ins Tor. 19:18 – doch von diesem Zwischenstand schienen die Gettorfer so richtig gar nichts mitzubekommen. Daran Schuld waren auch zwei sehenswerte Hüftwurf-Geschosse von Jan-Hendrik Otto, mit sieben Toren treffsicherster Akteur seiner Farben. Beim 22:19 hatten sich die Hausherren also wieder etwas Luft verschafft.

Doch das Selbstbewusstsein der Roten hatten aufgrund der guten zweiten Hälfte nicht gelitten, und so drehte man die Partie schnurstracks in ein 23:24. Erst glich Sven Stolze von ganz weit Rechtsaußen  aus, dann spielten die nun grübelnden Klausdorfer den Ball direkt in die Arme eines Gettorfers und Finn Hahnewald mit seinem Gegenstoßtor sorgte für die Führung. Kurz zuvor – während einer erneuten TSV-Auszeit - erteilte Strunk die Freigabe: „Jetzt dürft ihr mal ganz kurz auf die Anzeigentafel schauen…“ Der ins Tor gerückte Jan Stegemann sollte nun seinen großen Moment haben, indem er gegen den freistehenden Bennet Warnholz reaktionsschnell hielt.  

Die entscheidenden zwei Minuten waren angebrochen, Gettorf musste diese in Unterzahl verbringen, da Gerrit Herforht die einzige (!) Zeitstrafe des Spiels aufgebrummt bekam. Finn Hahnewald besorgte von Linksaußen im Sinkflug die 26:25 Führung, im Gegenzug blockt Dominic Henschel den schnellen Abschluss. Die nun offene Deckung nutzte wieder Finn Hahnewald um – trotz der lauten Proteste seiner Mitspieler – mit langen Schritten aus 10 Metern das 27:25 erzielte. Den schnellen Gegenangriff vermochte der GTV nicht zu verhindern, doch die Uhr zeigte beim Anwurf, und der zeitgleich genommen Auszeit nur noch 6 Sekunden Spielzeit. Nach kurzer Irritation und der Abwägung einen 6. Feldspieler für Stegemann zu bringen, segelte der lange Ball gefühlte Ewigkeiten durch die Luft, bis er mit der Sirene weit weg vom GTV-Tor ins Aus trudelte. AUS! Die Szenen direkt nach der Sirene werden die Anwesenden sicher lange im Kopf behalten, natürlich war die Freude über diesen absolut nicht für möglich gehaltenen Sieg gigantisch. Aus einer absolut geschlossenen Mannschaftsleistung kann man keinen Spieler herausheben: die Nervenstärke von Finn Hahnewald machte letztlich den Unterschied. Sicherlich werden noch in 100 Jahren wohlder Jungfrauen Loblieder über die Taten der Gettorfer Heroen an diesem 7. März 2015 jöhlen...  

5:1 Punkte aus den letzten drei Partien, mit 14 Punkten ist der GTV aber noch lange nicht aus dem Schneider. Die Spannung im Tabellenkeller ist durch den Sieg der HSG Mielkendorf/Molfsee gegen Dänischenhagen (35:26) noch dramatischer: fünf Mannschaften trennen 2 Punkte, bei noch drei zu spielenden Partien. Einzig der TSV Flintbek hat noch drei, Mi/Mo noch ein Nachholspiel.
Der GTV spielt am kommenden Wochenende zu Hause gegen den TSV Kronshagen, aktuell mit 9 Punkten am Tabellenende. Diese Mannschaft besorgte den Gettorfern in der Hinserie eine empfindliche Niederlage, und schlug zuletzt ebenfalls den MTV Dänischenhagen. Es geht am kommenden Wochenende also um nicht mehr als ein weiteres Endspiel um den Klassenerhalt in der Kreisoberliga, anschließend reist Gettorf nach Mönkeberg/Schönkirchen (aktuell 4.) um am letzten Spieltag den fast sicheren Meister TSV Plön zu begrüßen…  

Die Torschützen/Aufstellung: Goos, Stegemann, Hahnewald 5, Henschel 5, Herforth 6, Rusch, Carstensen 2, Wiskandt, Stolze 4, Augspach 4, P.-O. Lübker 1, B. Lübker.