Drei Tore in der Schlussminute, jede Menge diskussionswürdiger Entscheidungen der Referees (unter anderem ein Phantom-Tor), eine würdige Kulisse und nicht zuletzt total verrückte Tore machten das Kreisoberligaspiel Gettorf gegen Preetz 2 zu einem Spiel, was an allen Ecken und Enden zeigte, warum wir diesen Sport so mögen. Und die immer wiederkehrende Frage, wer denn nun besser mit dem Punkt leben kann, ist eh nicht klar zu beantworten: vor dem Anpfiff hätte Gettorf den Punkt sofort unterschrieben, nach dem furiosen Finale fühlte man sich wie der Verlierer. Aber von Anfang an.
Das Lazarett des GTV verkleinert sich vorerst nur langsam: nun fehlte Gunnar Westphal, der an einer Schulterverletzung aus dem THW-Spiel laboriert. Zumindest auf der Torhüterposition entspannte sich die Lage rechtzeitig, so dass Tim Nohns und Jonas Goos als etatmäßiges Gespann wieder einsatzfähig waren. Zusätzlich wurde Boris Horst Le-Comte als Kreisläufer aus der Zweiten Herren geliehen: der Mitzwanziger sollte wichtigen Anteil am Punktgewinn haben.
 
Von Anfang an dominierten die Abwehrreihen das Geschehen, doch beide Teams wusste Lösungen für die Angreifer zu kreieren. Timo Carstensen mit einem Heber eröffnete den Reigen, es sollte nicht das einzige spektakuläre Tor des GTV Kapitäns bleiben. Bis zur achten Minuten verbuchten beide Teams mehr Fehlversuche als erfolgreiche Abschlüsse, so dass der GTV zwar mit 4:2 führte, jedoch prompt zwei Gegentore vom guten Kreisläufer Tim Rensmeyer kassierte. Die Folgeminuten gehörten den Hausherren, die nun merkten, dass Preetz keinesfalls die übermächtige Mannschaft war, die der Tabellenstand vermuten ließe. (bislang 24:4 Punkte) Selbstverständlich hatten auch die Preetzer ihre Schwierigkeiten mit dem harzfreien Spielgerät, und selbstverständlich ist Gettorf deswegen doof und unbeliebt, und sowieso alles eine reine Wettbewerbsverzerrung. (siehe Archiv/Spielberichte 2001 - 2014)
 
So dauerte die Gewöhnungsphase wohl bis zur Halbzeit, denn stets konnte der GTV vorlegen. Eine deutlichere Führung als zwei Tore sprang jedoch nicht heraus, da auch Preetz ordentlich verteidigte, und es dem GTV Rückraum schwer machte zu einfachen, unbedrängten Abschlüssen zu kommen. Da auch mehrmals das Aluminium im Wege stand, wurden "nur" beim 14:12 die Seiten gewechselt.

PTSV Coach Pumpe Krieter zog nun die Option Mathias Ziegler, und trug den Wirbelwind im Spielbericht nach. Die Maßnahme sollte seine Wirkung nicht verfehlen: der quirlige Mittelmann sollte 4 Treffer markieren, und insgesamt 5 Zeitstrafen herausarbeiten. Insgesamt betrug das Verhältnis 7:2 - fragwürdig ob der GTV so viel härter agierte. Gestützt durch die einfachen Tore Zieglers aus 1:1-Situationen war Preetz nun am Drücker, und legte nach dem 14:14 (34.)  meist eine 1-2 Tore Führung vor. Diese hatte auch noch in der 50. Spielminute Bestand (20:22), und es folgte eine hochspannende Schlussphase, die die Zuschauer beider Seiten von den Sitzen riss. Gerrit Herforth war es nun, der mit drei Treffern in Serie den GTV in Schlagdistanz hielt. Mit Marco Landt-Hayen wieder in bestechender Form (wenn auch durch Trainingsrückstand gehandicapt - 5 Tore aus 5 Versuchen), Gerrit Herforth und Sven Stolze sowie in beiden Torhütern hatte der GTV im zweiten Durchgang seine auffälligsten Akteure. 

Bemerkenswert, dass Gettorf sich quasi permanent in Unterzahl befand, und kaum einer hätte gedacht, dass nach Herforths dritter Zeitstrafe noch ein Wende möglich war: doch die gab es - und wie! In doppelter Unterzahl schafften es die Hausherren Boris Horst am Kreis frei zu spielen, der sicher verwandelte. Da nun Tim Nohns einen Siebenmeter parierte, war es wieder Horst Le-Comte der sogar die 26:25 Führung markierte. Im darauffolgenden Preetzer Angriff wurde der Rechtsaußen Finn Ellen - nach Ansicht der Referees - siebenmeterwürdig gefoult. Der Strafwurf fand seinen Weg vorbei an Timm Nohns, an den linken Pfosten und von da in die Arme eines Gettorfer Abwehrspielers. Was nun folgte, stellt die Grundgesetzte der Physik vollkommen in Frage: Der Torlinienrichter entschied tatsächlich auf Tor!!! Unglaublich, lächerlich, Wahnsinn! Was sich in diesem Moment, in dieser entscheidenden Phase wie ein K.O.-Schlag anfühlte, ist auch nach dem Abfallen der Emotion immer noch kaum bzw. schwer zu begreifen.
 
Doch noch war dieses verrückte Spiel nicht an seinem Höhepunkt angekommen: immer noch in Unterzahl war es Timo Carstensen aus unglaublicher Linksaußenposition, der den 27:26 Führungstreffer, bei angezeigtem passiven Spiel per Dreher markierte. (ohne Backe!) Ohrenbetäubender Jubel brandete auf. Und als der folgende schnelle Abschluss der Preetzer über das Tor strich, schien nun alles möglich. Finn Hahnewald war es, der 60 Sekunden vor dem Ende dann sogar das 28:26 markierte, das musste doch reichen!
Doch wieder war es Ziegler, der per Schlagwurf das schnelle Anschlusstor erzielte. Nach Auszeit und Beratung vertändelten die Gettorf den Ball jedoch viel zu schnell: sicher ist in dieser Szene der Hauptgrund für den verspielten Punkt zu suchen, und nicht in diskussionswürdigen Schiedsrichterentscheidungen. "Pumpe" Krieter nahm nun seine Auszeit, und die Uhr zeigte noch 3 Sekunden. Nach Korrektur der Unparteiischen auf 7 Sekunden erspielte sich Preetz den freien Wurf: der eingelaufene Rechtsaußen Finn Ellen rettete einen Punkt für den Tabellenführer!
 
Eine merkwürdige Gemengelage auf dem Parkett nach dem Schlusspfiff: richtig freuen wollte sich kein Team. Die Wohlder hatten hier leichtfertig eine Überraschung vertan, und die Preetzer auf dem Weg zum Titel zwei Punkte eingeplant. Verdient ist diese Punkteteilung allemal.

Der GTV hat nun sieben Punkte Vorsprung auf einen möglichen Abstiegsplatz, und rangiert im Mittelfeld auf dem sechsten Rang. Es folgt das sehr, sehr schwere Auswärtsspiel bei den sehr, sehr heimstarken Polizisten aus Kiel. Dort strauchelte gerade erst die SG Kiel Nord (23:22) und unter anderem der MTV Dänischenhagen in der Hinrunde. Unterschätzen wird den Aufsteiger gewiss niemanden, zumal man sich im Hinspiel extrem schwer tat, und erst Sekunden vor dem Ende den 25:24 Siegtreffer erzielen konnte. Anpfiff in der Tallinhalle ist zur Handball-Kernzeit am Sonntag um 11:45 Uhr.
 
Die Aufstellung/Torschützen: Goos, Nohns, Herforth 8, Großmann, Augspach 3, Klaaß, Landt-Hayen 5, Stolze 4, Rusch 1, Hahnewald 2, Lentzsch, Carstensen 3, Horst Le-Comte 2