Nachdem man die eigenen Fans bereits bei den Auswärtspartien in Altenholz und bei Vorwärts Kiel mit teilweise unterirdischen Leistungen gequält hatte, gelang nun auch vor heimischer Kulisse ein Auftritt, der in vielen Belangen weit weg vom maximal Möglichen war. Woran es liegt, dass das eigene Leistungsvermögen nur noch sporadisch abgerufen wird, weiß keiner so genau.

Aber ein Grund für die zur Zeit ungebunden wirkende Vorstellung in Abwehr und Angriff ist wohl die starke Fluktuation im Kader:

Am vergangenen Wochenende schickte Coach Stolze mit Winter-Neuzugang Niklas Krohn (Eckernförder MTV, Mannschaft wurde aufgelöst) Spieler Nr. 24 der laufenden Saison auf die Platte. Zusammen mit den Langzeitverletzten Lübker (Knie-OP), Daniel Rusch (Wirbelbruch) und Ingwersen (Bandscheibe) stehen dem Spielertrainer bis zu 27 Mann mehr oder weniger regelmäßig zur Verfügung, oder eben nicht. Dass er kürzlich sogar einmal selber mitwirken musste, zeigt, dass die Verfügbarkeit eher gen „weniger regelmäßig“ tendiert, ebenso wie die Tatsache, dass GTV-Altmeister Carsten Rusch für den Kreis reaktiviert wurde! Zieht man Dauerverletzte und Spieler mit 3 Einsätzen oder weniger ab, so bleiben 16 Mann, von denen ein Kern von Zwölfen auf eine zweistellige Anzahl von Einsätzen kommt (bei bislang 16 gespielten Partien).

Wenn dann noch so manche Trainingseinheit aufgrund von Unterbesetzung ins Wasser fällt, braucht man sich wohl nur noch wenig über die eingangs beschriebenen Darbietungen wundern. Ein weiterer Aspekt, der sich jüngst zum Trend entwickelt, ist die defensive Bilanz. In der Hinrunde rühmte man sich noch mit der besten Abwehr der Liga, im neuen Jahr kassierte man in allen Partien (außer gegen Schlusslicht Polizei) mehr Tore, als man im Saisondurchschnitt (28,8) wirft. 30, 32, 29, und nun 33 sind die wenig ruhmreichen Leistungsnachweise der Gettorfer Hintermannschaft im Jahr 2012. Dass so Niederlagen wahrscheinlicher werden, ist schnell einzusehen.

Beim defensiven Minusrekord gegen den THW waren die Gründe dafür auf allen Abwehrpositionen zu finden. Wie schon gegen Vorwärts zeigten sich die Gegenspieler meist beweglicher, mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht 10 Jahre jünger, sondern im Schnitt 20 Jahre älter waren! Auch im Verbund bewegte man sich nicht genug und selbst die sonst so starken GTV-Torhüter bekamen kaum eine Hand an den Ball… Bester Beleg dafür: THW-Mittelmann Björn Jansen traf zwölfmal bei 12 Versuchen (davon 6 Siebenmeter) und sein Kollege auf Rechtsaußen Jonas Jünger elfmal bei ebenso vielen Versuchen, sein einziger Fehlversuch bei drohendem Zeitspiel aus elf Metern Entfernung fand auch noch fast den Weg ins Gettorfer Tor.

Da auf der anderen Seite die konsequent zupackende Abwehr den Gettorfer Spielaufbau störte und Keeper Wolfgang Brandt sich wieder einmal schwer überwindbar zeigte, schaffte man es nicht, die defensiven Unzulänglichkeiten offensiv auszugleichen. Im Gegenteil, man musste sich sogar mehrere Gegenstöße in eigener Halle gefallen lassen. Insgesamt fand man nie wirklich Zugriff auf das Spiel, welches der THW mit alle Routine runter spielte. Nach der 3-Tore-Führung zur Halbzeit (13:16) ging man in Durchgang zwei frühzeitig vom Gas, ließ sich sehr viel Zeit für dann schließlich doch erfolgreiche Angriffe. Dass dabei nur einmal passives Spiel drohte (s.o.) zeigt, dass die Schiedsrichter das Spiel nicht unbedingt besser machten. Aber was soll`s, dafür sind in erster Linie die Spieler verantwortlich! Trotz Tempoverschleppung kam der Gast in Halbzeit zwei auf 17 Tore, Gettorf wiederum nur auf 13.

Der GTV zeigt sich damit vor dem Gastspiel beim designierten Meister aus dem Nachbardorf so schlecht in Form wie lange nicht mehr. Dass sich dies nur durch harte Trainingsarbeit ändern wird, sollte klar sein. Dass das aber nicht binnen Wochenfrist gelingen kann auch. Somit geht es am kommenden Sonntag um 1450 Uhr in Dänischenhagen wohl nur um Schadensbegrenzung und Wiedergutmachung mit einer zumindest vollends engagierten Leistung! Mit einem Sieg würde der MTV die nur noch theoretisch gefährdete Meisterschaft auch rechnerisch klar machen. Ob der GTV in der derzeitigen Verfassung da noch für Aufschub sorgen kann, darf nach den jüngsten Resultaten bezweifelt werden.

Im Einsatz: Henschel 7/4, Reins 5, Horst 2, Krohn 2, Quickert 2, Wiese 2, Augspach 2, Graf 2, Bergert 2/1, Westphal, Carstensen; Lange (1.-14., 30.-37., 57.-60.), Kunze (14.-30., 37.-57.)

Tore Erste 16