Nach indiskutabler Leistung reiste der GTV-Tross am späten Sonntag-Abend mit 32 Gegentoren im Gepäck aus Kiel ab. Die ersten Anhänger verließen schon Mitte der zweiten Halbzeit die Helmut-Wriedt-Halle, war die Vorstellung der Roten doch nur schwer zu ertragen und der „Tatort“ kurz vor Sendebeginn. Zu dem Zeitpunkt lagen fast ausnahmslos indisponierte Gäste bereits zweistellig zurück (27:16, 49.) ehe man mit ein wenig Ergebniskosmetik noch auf eine Niederlage mit sieben Treffern korrigieren konnte.

Einzig Julius Jöhnk im Tor verhinderte Schlimmeres, er zeigte hinten in etwa so viele Paraden wie seine Kollegen vorne Tore warfen. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie hoch man noch hätte verlieren können. Das Schlimmste aber, man hätte ohne besonderen spielerischen Aufwand gewinnen können, wenn man zumindest solch grundlegende Dinge gezeigt hätte wie Bewegungsdrang und Zweikampfverhalten. Doch man ließ sich nach gutem Start (1:4, 6. Minute) mehr und mehr den Schneid abkaufen. Und das von einer Truppe, die im Schnitt zwanzig Jahre alt ist! Vorne wurde gegen an aktive Vorwärts-Abwehrreihe vorschnell abgeschlossen, und hinten fehlte zu oft der Nebenmann im Abwehrverband und im Eins-gegen-Eins konnten behäbig wirkende Gettorfer die quirligen Gastgeber nur selten halten. Und so kippte die Partie schnell über 4:4 (9.) auf 7:4 (12.). Ob des Verlustes der schönen Anfangsführung anscheinend nun völlig verunsicherte Gäste leisteten sich dann einen Abspielfehler nach dem anderen, so dass der Rückstand auch nach Team-Time-Out durch Coach Stolze weiter anwuchs (13:6, 24.). Zur Halbzeit lag man vollkommen verdient mit 15:9 im Hintertreffen.

Wer nach der Pause eine Trotzreaktion erwartete, wurde schnell enttäuscht. Vorwärts wirbelte weiter auf allen Positionen, zeigte spektakuläre Kreisanspiele, variantenreiche Siebenmeter und einfach mehr Willen zur Bewegung. In einer Situation waren nach einem Gettorf-Treffer alle Weißen schneller an der Mittelinie als alle Roten! So ist eine Aufholjagd unmöglich, wenn man dem Gegner nach eigenen Toren sofort die Möglichkeit gibt, mit einem Pass und ein wenig Laufen zum Abschluss zu kommen. Der ergebnistechnische Tiefpunkt dann wie gesagt in der 49. Minute mit dem 16:27 aus Gettorfer Sicht. Danach wechselte Vorwärts-Trainer Schwabedissen fleißig durch, doch das schadete dem Spiel seiner Mannschaft kaum. Egal welcher Jungspund kam, er zeigte mehr Mobilität als sein Gegenmann in Rot. Lediglich die Wechsel im Vorwärts-Tor ließen den GTV noch ein wenig das Ergebnis korrigieren.

Natürlich sind das Fehlen von Herforth und das Spielen mit dem ungewohnten Backeball Gründe für schlechtes Gettorfer Spiel, eine solche Leistung rechtfertigen sie aber noch lange nicht! Bezeichnend für den mangelnden Biss im Gettorfer Auftreten: Null Zeitstrafen im gesamten Spiel. Das Team muss sich möglichst schnell auf die neue personelle Situation einstellen und sich im Kopf klar werden, was man leisten kann und erreichen will. Denn es stehen noch viele schwere Auswärtspartien in Backe-Hallen an (u.a. Wellingdorf, Kronshagen, Mönkeberg). Sollten sich solche Leistungen wiederholen, kann man wie-auch-immer gehegte Aufstiegsträume getrost abhaken. Nachdem Platz eins bei sechs Punkten Rückstand auf souverän auftretende Dänischenhagener nun utopisch geworden ist, muss man sich jetzt auch Sorgen um das Halten des zweiten Ranges machen. Die erste Chance zur Wiedergutmachung hat man am nächsten Sonntag (1500 Uhr) zuhause gegen Schlusslicht Polizei. Das sollte gelingen. Aber bislang punktlose Wachmänner lauern nach zuletzt knappen Ergebnissen auf die ersten Zähler.

Im Einsatz: Reins 6, Augspach 6/1, Henschel 4/1, Wiese 3, Graf 2, Quickert 2, Westphal 1, Carstensen 1, Karpow, Bergert, Großmann; Jöhnk (1.-30. & 40.-60.), Blendermann (31.-40.)

1:0, 1. / 1:4, 6. / 4:4, 9. / 7:4, 12. / 13:6, 24. / 15:9 HZ / 27:16, 49. / 30:25, 58. / 32:25 Ende