In einer anschaulichen Partie setzte sich der Schleswig-Holstein-Ligist erst in den Schlussminuten durch. Der GTV schnupperte an der Sensation, glich er doch 150 Sekunden vor Abpfiff zum 26:26 aus - die Halle tobte.
Dabei sah es bereits Mitte der zweiten Hälfte nach einem standesgemäßen Sieg für die Gäste aus - auf sechs Tore waren sie enteilt. Auf Gettorfer Seite überzeugte der Mannschaftsverbund, mit den herausragenden Schützen Dominic Henschel (9/5) und Arne Reins (7).

 

Beide Teams wollten die Partie als Eingewöhnung auf die anstehende Rückserie in ihren Ligen nutzen. Grömitz wird nach eigener Aussage um den Klassenerhalt in der Schleswig-Holstein-Liga kämpfen, die Gettorfer wollen den zweiten Rang in der Kreisoberliga nicht mehr abgeben. Leider ließ der Terminplan und die gewohnte Hallenschließung in den Ferien nur eine einzige Trainingseinheit des GTV vor dem Pokalspiel der Runde 4 zu, entsprechend zeigte sich auch die Frische bei einigen Spielern. Trotzdem wollte man den klassenhöheren Gegner Kampf über 60 Minuten bieten - für Torben Quickert war die Sache bereits vor dem Spiel klar: "Entweder es gibt 'ne Sensation oder 'ne Niederlage mit 10 Toren."

Coach Sven Stolze schickte diese Sieben ins Rennen: Julius Jöhnk im Tor, Dominic Henschel auf Linksaußen, Arne Reins, Steffen Augspach und Gerrit Herforth im Rückraum, sowie Torben Quickert als Kreisläufer und Timo Carstensen auf der Rechtsaußenposition. Und die Gettorfer legten gut los: Jöhnk kaufte dem TSV Kreisläufer gleich den ersten von zahlreichen Bällen ab, und im Gegenzug wurde Herforth siebenmeterwürdig gefoult: 1:0 durch Henschel vom Punkt.
Der schnelle Gegenangriff der Grömitzer wurde wieder Beute vom jungen Gettorfer Schlussmann und vorne zauberte der GTV: Arne Reins im Stile eines dunkenden Lebron James per beidhändigen Kempa-Trick zum 2:0. Das erste Tor der Gäste erzielte der starke Rückraumspieler Tim Puchert zum 2:1 - die Folgeminuten gehörten aber nur noch den Gettorfern, weil Julius Jöhnk eine überragende Anfangsphase hatte, und auch zwei Strafwürfe parierte. 7:2 leuchte es auf der Anzeigetafel - ein großartiger Start des Kreisoberligisten.

Wo andere Teams spätestens jetzt die Team-Time Out Karte gezogen hätten, blieben die Gäste aber ruhig, und spielten Ihren Stiefel herunter. Sehr wahrscheinlich lag es auch an der Eingewöhnungszeit an das harzfreie Spielgerät - die meisten Grömitzer mussten solch einen Ball vermutlich zuletzt in der E-Jugend werfen. Nachdem 8:3 machte der GTV viele Fehler im Aufbauspiel, die prompt bestraft wurden: beim 9:8 war das Spiel quasi ausgeglichen, beim 11:11 auch rechnerisch, und Sven Stolze nahm seine Auszeit. Der Schuh drückte vor allem im Aufbauspiel, die energische Gäste-Deckung ließ nun kaum gute Einwurfmöglichkeiten zu. Zwar konnte der GTV bis zum 13:14 die Partie offen gestalten, doch der 3:0 Lauf in den beiden Schlussminuten der ersten Halbzeit schien einer Vorentscheidung gleichzukommen: beim 13:17 aus GTV Sicht wurden die Seiten gewechselt.

13:19 und 15:21 (39. Minute) lauteten die höchsten Abstände im Spiel - die zwei Klassen Unterschied machten sich nun doch bemerkbar. Was aber ab der 40. Minute passierte, wunderte nicht nur die gut gelaunten 50 Zuschauer in der Grundschulhalle Gettorf. Auf einmal nutzte Gettorf die Fehler des TSV aus, und kam zu einfachen Toren aus Gegenstoßsituationen. Arne Reins wurde immer agiler, und als Timo Carstensen per Heber den Anschluss herstellte, glaubte man auch im Gettorfer Lager an eine Überraschung. 19:21 - vier Gettorfer Treffer in Folge - das Pokalspiel David gegen Goliath war wieder spannend, auch weil Thorsten Lange im Gettorfer Kasten zwei weitere Siebenmeter parieren konnte.
Nach dem 21:22 gelang allerdings nicht der Ausgleich: eine doppelte Überzahl der Hausherren - zwei der insgesamt drei Zeitstrafen in der sehr fairen Partie - nutzte der GTV nun konsequent. Dominic Henschel treffsicher von Linksaußen und Sven Großmann mit einem schnellen Durchbruch auf Halbrechts - plötzlich drohte das Spiel zu kippen. Eine schöne Kombination über Herforth, Augspach und Carstensen schloß letztgenannter erfolgreich ab - der 26:26 Ausgleich - und nur noch 3 Minuten zu gehen.

Wer weiß was möglich gewesen wäre, wenn der GTV in der Folge nicht zwei Angriffe leichtfertig vertändelt hätte? Die routinierten Grömitzer um deren beste Spieler Sören Bögholz (7 Tore) und abermals Tim Puchert (7) entschieden das Spiel (26:28) auch wenn Gettorf noch einmal verkürzen konnte. Die offene Deckung stellte Grömitz vor keine Herausforderung mehr: Endstand in einer Partie mit der die unauffälligen Unparteiischen Krause/Winter (Kiebitzreihe) keinerlei Probleme hatten war 27:30.

So waren die Gäste zufrieden mit dem Ergebnis, und Gettorf zufrieden mit dem guten Spiel. Trainer Stolze sprach später von der besten Saisonleistung seiner Mannschaft. "Darauf kann man aufbauen, auch wenn wir noch zu viele Fehler machen, die auch in der Kreisoberliga bestraft werden.", so der mahnende Zeigefinger Stolzes.

Am kommenden Samstag beginnt die Rückserie für den GTV mit einem Heimspiel gegen den aktuellen Vorletzten der KOL TSV Flintbek. Zu ungewohnter Zeit am Samstag um 17:30 in der Parkschulhalle Gettorf sind dann zwei Punkte "Pflichtprogramm". Mit der gezeigten Leistung vom vergangenen Wochenende aber auch durchaus realistisch.

Die Aufstellung/Torschützen: Jöhnk, Lange, Blendermann, Quickert 2, Wiese, Henschel 9/5, Reins 7, Herforth 4, Großmann 1, Carstensen 2, Voß 1, Karpow, Augspach 1 und Lentzsch.