Um es gleich vorweg zu nehmen, es sollte wieder nicht reichen an diesem kalten Sonntagabend zu unchristlicher Zeit am anderen Ende der Kieler Förde. Wenn man es positiv formulieren will, fehlten nur elf Tore zum Sieg; man könnte aber auch sagen eine weitere derbe Klatsche in dieser vermaledeiten Kreisligasaison. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen...

Es war nicht die Topbesetzung sondern eher der harte Kern der Zweiten Herren, die sich am Sonntag an der Parkschule trafen, um die lange Reise nach Raisdorf anzutreten. Am Kreis und auf den Außenpositionen hervorragend besetzt, fehlte die geballte Schlagkraft im Rückraum, die verletzungs- oder krankheitsbedingt nicht ins geliebte Trikot schlüpfen konnte. Die Niederlage der Ersten trug auch nicht gerade dazu bei, die Stimmung aufzuhellen und das unerklärliche Verschwinden von Materie ließ den ein oder anderen an der eigenen Zurechnungsfähigkeit zweifeln. So wurde schnell das Ziel ausgegeben, sich heute mal vom Druck des Siegens zu befreien und das Augenmerk vermehrt auf solides, bodenständiges Spiel zu legen. Dieser Spieltag sollte dazu dienen, wieder mehr Vertrauen in die eigene Leistung zu erzeugen und vielleicht die bis dato verfolgte Taktik, die sich als offenkundig nur bedingt umsetzbar erwiesen hatte, zu überdenken.

Das Betreten der Halle manifestierte dieses Einschätzung, war der Gegner nicht groß sondern überwiegend klein, schnell und bullig bestückt. So wurde auch die Maßgabe ausgegeben, das schnelle Spiel nicht als primäres Mittel zum Erfolg durchzuziehen.

Gesagt, getan. Und die ersten Minuten zeigten deutlich, welche Richtung der Abend einschlagen würde. Es wurde seitens des Gegners kräftig zugelangt, während die Bereitschaft einzustecken nicht besonders ausgeprägt war. So stand schon früh das erste blaue Auge zu Buche, welches den Bemitleidenswerten neben den schnell vergehenden Schmerzen auch noch wochenlang den Spott der Kollegen einbringen sollte.

Die Geschichte der ersten Halbzeit ist eigentlich schnell erzählt. Das Bemühen war zwar deutlich, jedoch war die Umsetzung des Masterplans nicht immer einfach. So konnten die Klausdorfer viele Tore durch Gegenstöße erzielen, die auf Grund präziser Pässe und zugegebener Maßen schneller Außen auch beeindruckend sicher vorgetragen wurden. Im Angriff fehlte die Durchschlagskraft und jedes Tor musste hart und geduldig erarbeitet werden. Dazu war auch mal wieder Chancenauswertung (speziell von der Sieben-Meter-Marke) eher suboptimal. Kurzum, am Ende der ersten 30 Minuten war der Gegner auf zehn Tore weg und es drohte eine Klatsche infernalischen Ausmaßes.

In der Kabine besann der Headcoach sich und seine Mannen aber auf das, was man sich vorgenommen hatte. Nein, gewinnen wollte man heute sicherlich nicht, aber den Kampf annehmen und dabei ruhig und sachlich spielen, das wollte man. Und hier waren gute Ansätze zu sehen und die Hektik die sich in den letzten Spielen stets als "Neckbreaker" entpuppte sollte tunlichst vermieden werden.

Und schau' an, es geht doch. Die Deckung stand ordentlich, man wurde im positiven Sinne des Wortes zornig und im Angriff wurde abwartend und sicher das Spielgerät hin- und herbewegt. Sinnbildlich hier Ollis unermüdlicher Kampf mit dem Gegenspieler, den er unverzagt und für Außenstehende nahezu hoffnungslos führte, damit aber empfindliche Lücken riss und das Spiel auf ein annehmbares Tempo reduzierte. Conni machte (auch unter Inkaufnahme einer sehr vorhersehbaren 2-Minuten-Strafe) seinem frisch eingewechselten Gegenspieler von der ersten Sekunde an klar, dass ihm der Torerfolg heute nur unter größten Mühen gelingen sollte. Und Kai im Tor konnte nun endlich auch den ersten Sieben-Meter parieren und so entpuppte man sich zunehmend als ebenbürtiger Partner, der immer wieder in der Lage war, den gegnerischen Angriff vor schwer lösbare Aufgaben zu stellen. Im Angriff ackerte Boris trotz Verletzung unermüdlich und auch Dodo konnte durch Schlagwürfe den Klausdorfer Keeper überraschen. Alles in allem eine ansehbare mannschaftliche Leistung. Die Belohnung war eine auch vom Ergebnis her ausgeglichene zweite Halbzeit und eine Heimfahrt auf der zwar nachdenkliche aber nicht unzufriedene Gesichter in den Autos saßen.

Fazit: Man ist im Altherren-Handball angekommen. Ruhe ist erste Bürgerpflicht. Durchspielen und die eigene Chance suchen, Spielzüge konsequent umsetzen und auf die richtige Gelegenheit zum Torwurf warten. Das soll nicht heißen, dass man nur noch übers Feld krabbelt, allerdings muss auch klar sein, wenn es besser ist, die zweite Welle mal abzubrechen anstatt mit Schaum vor dem Mund den Ball ins Nirwana zu befördern. Auf dann, Männers, lasst uns jetzt die Saison richtig starten....

TSV Klausdorf I : Gettorfer TV II= 29:19 (18:8)

TSV Klausdorf I: Schlottfeldt, Eggers; Brenken 8/4, M. Kapala 6, K. Krätschmann 5, Oldenburger 4, Dogan 2, S. Kapala 2, Gaicki 1, Rußmann 1, T. Krätschmann 0

Gettorfer TV II: Langkopf (01.-20, 30.-60.), Stegemann (20.-30.); D. Henschel 5, Horst- Le Comte 4, Grapengeter 2, M. Henschel 2, Meincke 2, Hering 1, Seidler 1, Timmler 1, Müller 1/1, Quander 0 Strafen: TSV K: 4 x Gelb (S. Kapala, Dogan, Rußmann, Krätschmann), 2 x 2- Minuten (S. Kapala, Krätschmann) GTV II: 3 x Gelb (Hering, Meincke, Seidler), 1 x 2- Minuten (Seidler)

Siebenmeter: TSV K: 4/5 GTV II: 1/4 (D. Henschel, Müller, Meincke verwerfen)